Forschungsfelder von PD Dr. Dietmar J. Wetzel

 

 

 

Feld 1: Transformative Gemeinschaften als innovative Lebensformen? (SNF-Projekt, April 2016f.)

Am Ausgangspunkt des Projektes steht die mehrfach diagnostizierte Doppelkrise des Ökonomischen und des Ökologischen in westlich-postindustriellen Gesellschaften (Leggewie/Welzer 2009). Diese führt zur Problematisierung und einer Infragestellung der vorherrschenden Steigerungs-, Wettbewerbs- und Wachstumslogiken, die sich in den fortgeschrittenen  Kapitalismen über die letzten Jahrzehnte zu ihrer heutigen Form ausgebildet haben. Gegenstand des Projektes ist die Frage, ob und inwiefern sich neue und alternative Lebensformen als Antwortversuch auf diese Krisen begreifen lassen. Lebensformen werden demnach als „Problemlösungsinstanzen“ (Jaeggi 2012) verstanden. Diese zeichnen sich durch den Versuch aus, auf soziale, ökonomische und ökologische Missstände in der Gesellschaft mit Gegenentwürfen zu reagieren. Genauer untersucht werden erstens im Entstehen begriffene Lebensformen, die aus heterogenen sozialen Bewegungen hervorgehen (Renn 2003). Zweitens soll erforscht werden, welche Konzeptionen des Guten und Gerechten sich finden lassen, und wie diese in neueren Diskussionen innerhalb der Wirtschaftssoziologie und der Sozialphilosophie aufscheinen. Die Einzelprojekte (Dissertationsprojekte) konzentrieren sich auf alternative Lebensformen im Bereich des Wohnens sowie der Ernährung. Erste konzeptionelle Überlegungen sind auf dem ISA-World-Congress in Yokohama im Juli 2014 unter dem Titel „Alternative Lifestyles in Growth-Critical Societies – Conceptual Reflections on Social Movements“ sowie auf dem Workshop „Leben im Kapitalismus - Kapitalismus als Lebensform?“ in Berlin (11./12.12.2015) vorgestellt worden. Erste Ergebnisse werden auf der ISA-Konferenz im Juli 2016 in Wien präsentiert.

 

 

 

Feld 2: International vergleichende Soziologie des Wettbewerbs (2013f.)

In meiner Habilitationsschrift mit dem Titel „Soziologie des Wettbewerbs – eine kultur- und wirtschaftssoziologische Analyse der Marktgesellschaft“ (2013) wurden neben einer Rekonstruktion des Wettbewerbsbegriffs und den in Ökonomie, Politik und Soziologie behandelten Konzeptionen vier Felder (Bildung, Finanzmärkte, Sport und Liebe) im Hinblick auf Wettbewerb und Konkurrenz empirisch anhand von Sekundäranalysen und eigenen teilnehmenden Beobachtungen untersucht. Festgestellt wurde eine zunehmende „Verwettbewerblichung gesellschaftlicher Bereiche“. Die dabei aufgeworfenen Fragen des Wettbewerbs sollen weiterführend interdisziplinär und gesellschaftsvergleichend erforscht werden. Intendiert ist eine international vergleichende Soziologie des Wettbewerbs, die sowohl Fragen der Konkurrenz als auch der Kooperation auf der Wirtschafts- und der Organisationsebene einschließt. Eine diesbezügliche Forschungskooperation besteht mit der Copenhagen Business School (Ass. Prof. Eva Hartmann). Zudem fungiere ich als Experte in dem DFG-Netzwerk zum Thema „Wettbewerb“ (Leitung: Prof. Dr. Markus Tauschek).

 

 

Feld 3: Empirische Resonanz- und Anerkennungsanalytik in flexibel-mobilen Arbeitswelten (2014f.)

Was bedeutet „gute Arbeit“ im Kontext postmoderner Arbeitswelten und der damit einhergehenden steigenden Mobilität? Dieser grundsätzlichen Frage möchte das Projekt nachgehen, indem die Fruchtbarkeit einer resonanz- und anerkennungsanalytischen Perspektive in dieser eminent wichtigen Sphäre der Gesellschaft überprüft werden soll. Erste Vorarbeiten zu einer empirischen Resonanzanalytik auf den Feldern des Sports und der Liebe liegen vor (Wetzel 2014a, 2014b). Neben ethnographischen Fallstudien in Unternehmen/Organisationen sollen auch Interviews mit Managern und Angestellten durchgeführt werden, um sowohl Resonanz-, Anerkennungs-, aber auch Entfremdungserfahrungen am Arbeitsplatz erfassen zu können. Eine in diesem Zusammenhang wichtige Forschungskooperation besteht mit dem Kolleg „Postwachstumsgesellschaften“, insbesondere mit Prof. Dr. Hartmut Rosa und Prof. Dr. Michael Hofmann. Erste Überlegungen zu einem trinational ausgerichteten DACH-Projekt (Deutschland, Österreich und Schweiz) liegen vor.

 

 

 

Feld 4: Theory and Practice of Authenticity in Global Cultural Production

Hierbei handelt es sich um ein laufendes Drittmittelprojekt zur Nachwuchsförderung an der Universität Bern. Dabei fungiere ich als einer der Co-Direktoren (Leitung: Prof. Dr. Thomas Claviez, Laufzeit: Februar 2014 - Februar 2017). Von besonderer Bedeutung ist dabei das Subprojekt “A Post-Authentic Society? Towards a Metonymic Poetics of Community” (Claviez/Wetzel), weil hier der Versuch unternommen wird, neue Formen der Gemeinschaft und der post-identitären Subjektivierung in Literatur, Philosophie und Soziologie zu ergründen. In kritischer Auseinandersetzung mit einem (auch) poetisch konzipierten Gemeinschaftsbegriff (Nancy, Blanchot, Agamben, u. a.) soll nicht mehr der/die/das Dritte als metaphorisch gedachtes Scharnier hin zur Gemeinschaft primär fokussiert werden, sondern Formen der Kontiguität und Kontingenz. Workshops, Konferenzen und erste Publikationen sind bereits erfolgt (Wetzel/Claviez 2016; Wetzel 2016a). Gerne würde ich diese Fragen der Gemeinschaft und der Produktion von Authentizität in den Kontext sozialer Transformationsprozesse rücken. Fragen der sozialen Innovation werden dabei ebenso berücksichtigt wie Fragen der Mobilität und der Beschleunigung sozialer Prozesse.