Metamorphosen der Macht (Buchprojekt, 2018f.)

 

Am Ausgangspunkt meiner Betrachtungen zu den „Metamorphosen der Macht“ steht ein ebenso einfacher wie manchmal auch beunruhigender Befund: Es gibt nicht die Macht, sondern viele unterschiedliche Gesichter und „Spuren der Macht“. Deshalb erscheint es mir auch nicht zweckmäßig, genau eine (soziologische oder philosophische) Theorie der Macht zu entwickeln. Der Zugriff ist also insofern ein besonderer, als Einzelfälle im Fokus stehen, hinter denen gleichwohl strukturell wiederkehrende Muster stecken. Von Interesse sind nicht nur die ‚offensichtlichen‘ Formen und Erscheinungsweisen der Macht, vielmehr möchte ich mein Augenmerk insbesondere auf die unscheinbaren, indirekten Formen der Macht legen, die unseren Alltag durchziehen und die einer Entschlüsselung und Aufklärung durch Analyse bedürfen. Macht hat in meiner Lesart – im Unterschied zu geronnenen Herrschaftsverhältnissen – etwas Flüssiges, oft nicht Greifbares und flottiert zwischen sozialen Beziehungen hin und her. Was ist damit gemeint? Der Mächtige, der stürzt, kann im nächsten Moment zum Ohnmächtigen werden und dies gilt auch umgekehrt: Die Ohnmächtige nutzt die berühmte Gunst der Stunde und bringt Machtverhältnisse ins Wanken, etwa dann, wenn Frauen ihren Chefs nicht nur sexuelle Übergriffigkeit vorwerfen, sondern diese (mit Zeugen) nachweisen können. Das Faszinierende an der Macht ist, dass sie soziale Ordnung aufbauen und erhalten kann, ebenso gut aber auch an der Zerstörung dieser Ordnung mitwirken kann. Der ambivalente Charakter jeglicher Machtbeziehungen durchzieht mal mehr mal weniger die den Band versammelnden Essays, die sich allesamt den „Metamorphosen der Macht“ verschrieben haben.

 

 

 

Transformative Gemeinschaften als innovative Lebensformen? (SNF-Projekt, April 2016f.)

 

Mein Theorieprojekt befasst sich mit einer konzeptionellen Verknüpfung und Integration theoretischer Reflexionen mit den Erträgen aus den beiden empirischen Projekten (Wohnformen und Landwirtschaft).

 

(1) Die bislang gewonnenen empirischen Ergebnisse machen eine Erweiterung der entwickelten Perspektive „Transformativer Gemeinschaften“ auf die untersuchten Initiativen aus dem Bereich Wohnen und Landwirtschaft notwendig. Hierzu werden aktuell vor allem praxeologische, organisations- und netzwerksoziologische Studien erforscht. Untersucht wird u.a., inwiefern die Initiativen angemessener als „netzwerkförmige Gebilde“ (Stegbauer 2010), als „heterogene Kollaborationen“ (Reckwitz 2017) oder auch als „Produktionsgemeinschaften“ (Gläser 2006) analysiert und beschrieben werden können.

 

 

(2) Der in der Sozialphilosophie diskutierte Begriff der Lebensformen wurde im Projektkontext bislang vor allem an die „Kritik von Lebensformen“ (2014) von Rahel Jaeggi angelehnt. Die damit einhergehende normative Aufladung des Konzepts sieht unser TGIL-Projekt inzwischen kritisch. Daraus entsteht die Notwendigkeit, alternative Ansätze für die eigene konzeptionelle Arbeit fruchtbar zu machen. Um dies leisten zu können, bietet sich eine Auseinandersetzung mit Arbeiten an, die Fragen der Lebensformen auf Fragen der Lebensführung und der Lebensweisen ausdehnen (vgl. Fassin 2017).

 

 

(3) Obwohl sich der Begriff der sozialen Innovationen im Projektkontext bereits in der Verzahnung von Theorie und Empirie bewährt hat (vgl. dazu Wetzel/Frischknecht 2018), sind gerade auch in diesem Bereich weitere Forschungen notwendig. Der Fokus auf die internationale Debatte zu sozialen Innovationen und zum Innovationsbegriff insgesamt verspricht hier neue Impulse. Beabsichtigt ist, sowohl eine Schärfung als auch eine Relativierung des Begriffs sozialer Innovationen und dessen Anwendung im Projektkontext zu erreichen.